5. Dez.: Atelierbesuch bei Veronika Veit

Es gibt kein Richtiges im Falschen / Kontrolle und Zufall

Ist alles mit allem verbunden oder regiert der Zufall? Können wir die Überkomplexität unserer globalisierten Welt und unser Leben überhaupt noch kontrollieren?

Mit großen Installationen und Kunst im öffentlichen Raum inszeniert Veronika Veit diese Fragen in teils apokalyptisch wirkenden Szenarien. Bei genauerer Betrachtung sind sie näher an unserem Zeitgeschehen, als man auf den ersten Blick denken würde.

Schon 2000 stellte Veronika Veit im Haus der Kunst Arbeiten zum Thema „vermeintliche Kontrolle“ aus. Sie installierte Schalthebel und Knöpfe mit „Aufforderungscharakter“, die nur fiktiv etwas in Bewegung setzen konnten. Die drei hier dargestellten Arbeiten reflektieren einerseits unseren Wunsch nach Kontrolle und stellen andererseits die Frage nach Zufall und Kontrollverlust.

In der Installation „Zufall und Gelegenheit“ sind Schränke durch übergreifende Schläuche und andere Objekte miteinander verbunden. Sie beherbergen Monitore mit Animationsfilmen und kleine Skulpturen. Alles scheint mit allem zusammenzuhängen, auch wenn nicht klar wird, wie. Das Objekt gibt – gleich einem Vexierbild – Rätsel auf und eröffnet bei jedem Betrachten neue Bezüge. Auch die Video-­‐Arbeit „better times“ spielt mit dem Irrglauben, alles unter Kontrolle haben zu können. In einem Bauwagen sind in einer Videoinstallation zwei Menschen zu sehen, die vor einer möglichen Katastrophe flüchten. Vor einer gigantischen, Kontrollierbarkeit simulierenden Schalttafel sitzen sie die Zeit ab. Für das Sujet stand die Bewegung der „Prepper“ Pate, die sich mit Lebensmittelvorräten und Panikräumen vor Unabwägbarem wie Naturkatastrophen und Kriegen schützen wollen.

Der „Bunker“ erlaubt durch das Fenster den Blick auf den streng strukturierten Alltag einer isoliert lebenden Familie. Nur durch streng reglementiertes Verhalten und äußerste Hygiene scheint es der Mutter möglich, die Kontrolle zu behalten. Ein Eindringling in Form eines Hundes steht jedoch als Metapher für die nicht zu kontrollierende Phantasie und Gedankenwelt der Kinder.

Veronika Veit setzt sich äußerst kritisch mit unseren Beziehungen zu Alltagsobjekten und Mitmenschen auseinander; einzigartig sind ihre Werke durch die vielfältigen auch historischen Beziehungsebenen, den intelligenten Humor und ihr genaues Beobachten menschlichen Verhaltens.

Termin: 05. Dezember 2017, 19:00 Uhr

Ort: Atelier von Veronika Veit, Lerchenstraße 27, Ladeneingang

MVV: Tram 18, Station Paradiesstraße, das ist hinter dem HdK. Die Busse 154 und 54 halten auch nicht weit entfernt am Tucherpark.

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