„Es hat oft ganz schön gescheppert“: Fred Jahn, altgedienter Galerist und Mann der ersten Stunde in der zeitgenössischen Münchner Kunstszene im Gespräch mit Karsten Löckemann, Chefkurator der Sammlung Goetz
Fred Jahn

In der Rolle des „Zeitzeugen“ fühlt Fred Jahn sich nicht allzu wohl. Das machte er Karsten Löckemann und dem Publikum gleich zu Beginn des Gesprächs klar – ein sympathisches Understatement, hat er doch die Münchner Galerieszene seit den frühen 1960er Jahren hautnah miterlebt und mit geprägt, anfangs als Mitarbeiter von Heiner Friedrich und Raimund Thomas, dann ab 1968 als Gründer der „Edition X“ mit dem an diesem Abend ebenfalls anwesenden Gernot von Pape. Schließlich ab 1978 mit seiner eigenen Galerie, die er in der Maximilianstraße 10 gründete und heute sehr erfolgreich gemeinsam mit seinem Sohn Matthias in der Baaderstraße 56 betreibt.

In der vollen Orangerie berichtete Jahn, wie er nach einem Volontariat bei der Süddeutschen Zeitung als freier Mitarbeiter in die Kunstszene um Heiner Friedrich einstieg, der damals als erster die internationale Avantgarde an die Isar holte. Schon früh entdeckte Fred Jahn seine Faszination für Arbeiten auf Papier, die er bis heute kultiviert. Immer wieder fiel dabei der Name Georg Baselitz, den Jahn als die wohl prägendste Figur seiner Entwicklungsjahre bezeichnet.

Die Erzählungen aus der oftmals turbulenten Anfangszeit der jungen Münchner Galerieszene waren so unmittelbar, als lägen sie erst wenige Jahre zurück. Aber auch die Schilderungen des rasch in verschiedene Zweige expandierenden Galeriegeschäftes (phasenweise bis hin zu japanischer Keramik und afrikanischer Kunst) waren faszinierend und erhellend zugleich.

Neben den interessanten Details aus dem Galeriealltag waren es sicher nicht zuletzt die vielen persönlichen Erinnerungen und Anekdoten, mit denen Fred Jahn die Zuhörer bis in den späten Abend fesseln konnte. Am Ende war allen klar: Für eine Zweitkarriere als vortragsreisender Zeitzeuge ist der Mann einfach noch viel zu beschäftigt.