Führung durch die Ausstellung „Jahresausgaben“ in der Lothringer13 mit dem Kurator Jörg Koopmann
lothringer13

Ne travaillez assez, ne comptez jamais………… Beim Betreten der Halle Lothringer13 empfängt den Besucher ein freiberuflich arbeitendes Teammitglied, um aus verwaltungstechnischen Gründen NULL Euro zu kassieren. Dafür bekommt man auch ein Ticket mit Serialnummer.

In der Ausstellung geht es um das liebe Geld, die finanzielle Situation und das gesellschaftliche Dilemma der Kunstschaffenden.

Nachdem Ende eines jeden Jahres allerorts die Kunsträume mit den Jahresgaben ein messeähnliches Format einer Kunstaustellung bieten, widmet sich die Lothringer13 Halle zu Beginn des Jahres direkt und unverblümt einer Betrachtung nach Bedeutung und Wert des Geldes aus dem Blickwinkel von Kunstschaffenden. Die Arbeiten reflektieren die Mythen des armen, aber freien Poeten. Als Dekowandteller, mit dem Motiv von Spitzweg, ist es im ehemaligen Vorarbeiter Kabuff zu bewundern. Arm aber glücklich, oder auch nicht?

Der Kurator Jörg Koopmann führte uns durch die beeindruckende Ausstellung mit den vielfältigen Sichten der beteiligten Künstlerinnen und Künstler.

Allan Sekula schreibt einen Brief an Bill Gates und fragt dabei nach den Gründen, warum der damals reichste Mann der Welt 30 Mio. $ für ein Gemälde von Winslow Homer, „Lost on the Grand Banks“, ausgegeben habe. Wiederentdeckt wurden die Textarbeiten aus den 1970er Jahren von Ruth Rehfeld. Der damaligen DDR-Künstlerin dienten ihre Arbeiten vor allem dem Austausch zu anderen Künstlern. M+M wiederholen stundenlang das Selbstoptimierungs-Mantra „Was du heute kannst besorgen, verschiebe nicht auf Morgen….“. Eigen-Appell, um effektiver zu arbeiten? Auf dem Foto von Cyril Blazo betet ein Mann einen Geldautomaten an. Nigel Shafran fotografiert die Produkte, die man beim Einkauf im Supermarkt auf das Band legt. Jeder von uns hat sich schon mal gewundert, was der Vordermann oder die Hinterfrau da so alles auf das Band legen, auch die, die offensichtlich nur einen kleinen Geldbeutel haben. Die Videoarbeit MONEY ist der Hammer. Über 11 Jahre haben 3 Künstler Banknoten aus der ganzen Welt gesammelt, abfotografiert und vergrößert – Beschriftungen und Zahlen ließen sie weg, bis nur noch das reine Bild, die Ikonografie des Geldes übrig blieb, mit wunderschönen Motiven und Sehnsuchtsorten.

Sehenswert auch die beiden Videoarbeiten von Kasia Fudakowski, humorvolle Reflektion auf Kunstmessen und Wertsteigerungen von Kunst. Herrlich auch die Videoarbeit von Philipp Messner, der einem Esel eine Möhre vor dem Maul baumeln läßt, der Esel aber nie eine Chance bekommt, diese zu fressen. Zwei Videoarbeiten von Superflex muss man gesehen haben, um abschließend dem Hörspiel „Stripped“ von Stefan Weigl zu lauschen. Sprecher lesen die kompletten Kontoauszüge des Künstlers vor, dazwischen Briefe der Bank an Weigl. Prekärer kann man die dauerdefizitäre Finanzlage von Freiberuflern kaum dokumentieren. Eine erkenntnisreiche und sehenswerte Ausstellung, Kunst und die große Freiheit, aber auch um welchen Preis!?  Danke schön Jörg.

Die teilnehmenden Künstler: Allan Sekula \ Cyril Blažo \ Daniel Eatock \ Gabriele Obermaier&Ralf Homann \ Kasia Fudakowski \ M+M \ Nigel Shafran  \ Peter Ravn  \ Philipp Messner \ Pind \ Prill Vieceli Cremers \ Ruth Wolf-Rehfeldt \ Stefan Weigl und Superflex widmen Raum und Zeit dem Allgegenwärtigen und Unumgänglichen: dem Geld. Ja, Geld, Geld, oder wie Rolf Dieter Brinkmann* einmal in einer Aufnahme ausspuckte: „Immer mit dem Scheissgeld, immer Probleme mit dem Scheissgeld…“. Fühlt euch frei und filetiert freudig das Finanz-Fiasko…