Kunstpreis 2014 – Profile der Kandidaten

Funda Gül Özcan

lebt und arbeitet in Munchen, wo sie an der Akademie der Bildenden Kunste studierte. In ihren Medienperformances, Videos und Videoinstallationen untersucht Funda Grenzbereiche des menschlichen Korpers und Geistes und eine mogliche Manipulation derselben. Die Balance zwischen Opfer und Täter ist ein zentraler Punkt im Werk von Funda Gul Özcan. In ihren Videoinstallationen und Performances gelingt es Funda immer einerseits Betroffenheit und andererseits Faszination an psychischer und physischer Gewalt hervorzurufen. Die plastische Platzierung der Videoflächen im Raum und die minimalistische und zugleich eindringliche darstellerische Qualität lassen den Betrachter zwischen den beiden Polen im Inneren seiner Seele hin und her pendeln. Mit der offenen Konfrontation ihrer eigenen innerlichen Konflikte lässt sie den stummen und dennoch emotional aufgeladenen Dialog mit den Besuchern ihrer Arbeiten entstehen. Aufgefallen ist die junge Kunstlerin mit ihren Arbeiten bereits in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen, u.a. MASC Foundation in Wien, im Salzamt in Linz, Lothringer13/Halle München, und ZKMax, München. Ihre Werke wurden mehrfach ausgezeichnet, zuletzt fur ihre Diplomarbeit „StopFormatic“ (2013) erhielt sie den Debutatenpreis der Akademie der Bildenden Kunste München.

Christian Hartard

Christian Hartards Arbeiten sind Resonanzböden für Marginales. Sie konzentrieren sich auf flüchtige Phänomene des Alltags, die sie ins Bewusstsein heben und mit Sinn ausstatten: einen Luftzug, die Körperwärme eines Menschen, das unterschwellige Geräusch eines Hubschraubers, das Klirren von Fensterglas, das Zischen stromgeladener Leiter. Die metaphorische Kraft solcher Momente, die sonst am Rande unserer Wahrnehmung mitlaufen, wird registriert und in einer klaren, minimalistischen Formensprache zu neuen Bildern für soziale oder psychische Zustände verdichtet. Dabei verweigern sich die Werke mit ihrer oft spröden Oberfläche einer zeichenhaften Lesbarkeit und spielen den Ball an den Betrachter zurück: als offene Kommunikationsangebote behaupten sie keine vorgefertigten Bedeutungen, sondern schaffen Freiräume für die Aktivierung eigener Erinnerungen, Empfindungen und Assoziationen und ermöglichen in der Verwendung ephemerer Medien wie Wärme, Staub, Geruch, Elektrizität oder Klang einen sinnlich-emotionalen Weltzugang.

Anna McCarthy

Anna McCarthy’s conceptual and multidisciplinary work includes video, performance, drawing, music and writing, usually with strangers, friends and family acting as the protagonists. The work is predominantly narrative and multi-layered, thematically centring around image politics, fiction/non-fiction, rebellion and the romantizisation thereof.

Recent shows in Munich include the premiere of „How to Start a Revolution: The Musical“ at Haus der Kunst and the end of the world spectacle „II : NA-EN-DE-NA-EN-DE-NA-WI-DA : II“ at Schaustelle, Pinakothek der Moderne.

Philipp Messner

Philipp Messner beschäftigt sich mit den Auswirkungen der computergenerierten Virtualität. Wie haben sich die Beziehungen zwischen Objekt, Betrachter und Raum als Folge der Erfahrungen mit virtuellen Räumen verändert? Beziehungsweise wie wirkt sich dieser Veränderungsprozess auf die Wahrnehmung aus? Das klingt fast wissenschaftlich, und in der Tat hat Messner von diesem wahrnehmungsphilosophischen Ansatz aus eine eigene Theorie entwickelt, die in der 2008 erschienenen Publikation „Virtuelle Ästhetik“ (Kyrene Verlag) nachzulesen ist. Die konzeptuelle und von eigenen Schriften begleitete Herangehensweise verbindet ihn mit seinem Lehrer, Michelangelo Pistoletto. Auch bei Messner findet die gedankliche Auseinandersetzung ihren Ausdruck in den unterschiedlichsten künstlerischen Mitteln. Neben raumgreifenden Objekten spielen immer wieder performative Herangehensweisen eine Rolle, um den Betrachter an eine „Schule des Sehens“ heranzuführen.

Messners Arbeiten eröffnen Erfahrungsräume. Bei der Werkgruppe „The rising star and the star rising“ führt er den Gestaltwandel, dem der öffentliche wie der private Raum heute gleichermaßen unterzogen wird, exemplarisch vor. Ein aus oxidiertem Aluminium gefalteter, dreidimensionaler Stern wird gleichsam durch den virtuellen Raum gejagt. Auf die plastische Umrissform reduziert, löst sich die ursprüngliche Charakteristik der Sternenform bis zur Unkenntlichkeit auf und widersetzt sich damit auch einer symbolischen Deutung. In ihrer Flachheit wirkt sie geradezu antipodisch zum realen Raum: Der Blick des Betrachters springt zwischen räumlicher Tiefe und bildhafter Fläche hin und her. Auch in seinen Performances spielt Messner genau mit dieser Unvereinbarkeit zwischen der realen und der virtuellen Raumerfahrung, indem er dem Betrachter keine feste Position zuweist, sondern den permanenten Beziehungswechsel zwischen der erwarteten Wahrnehmung und der physischen und psychischen Projektion herausfordert.

Max Schmidtlein

„Max Schmidtleins (*1984, Bogen) Arbeiten fungieren als bildnerische Apparate – gewissermaßen als Verlängerungen theoretischer Motive – aus der Soziologie, der Psychologie und der aktuellen Kunsttheorie entlehnt. Diese Apparate sind artifizielle, künstlerische Gebilde in Form von Gemälden, Zeichnungen, Installationen, Texten und Pflanzen, die ihre Konstruiertheit offen zur Schau tragen. Sie fordern eine Aktivierung des Betrachters, indem sie ihm einen greifbaren Gebrauchswert anbieten. Die Arrangements stehen dem Betrachter mit einer solch beinah komisch anmutenden Fremdheit entgegen, dass jene gleichsam anziehend wirkt. Die Arbeiten, die hängen bleiben – also tatsächlich das Potential einer Veränderung der Gewohnheiten in sich tragen – sind selten die lauten und prahlenden. Vielmehr sind es diejenigen, die nur bruchstückhaft eine Logik anbieten, die gerade im Moment des Betrachtens flüchtig und schwer greifbar erscheinen und dazu auffordern weiter gedacht zu werden. Schmidtleins Apparaturen fordern eben jene angenehm-dringliche Reaktion beim Betrachter ein.“