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Kunstvisite #2
9. Februar 2021

Diese Woche führt uns die Kunstvisite in die Maxvorstadt zum super+CENTERCOURT. Die einst offene Passage an der Kreuzung Adalbert- / Türkenstraße wurde in den 60er Jahren zu einem geschlossenen Raum mit großen Schaufenstern umgebaut. 2014 übernahm der super+ e.V. die Räumlichkeiten und organisiert dort seitdem regelmäßig Ausstellungen – seit 2018 unter der kuratorischen Leitung von Sophie-Charlotte Bombeck. Auch während Corona lohnt sich stets ein Abstecher zu dem Offspace, wo weiterhin Programm stattfindet, welches von außen ideal einsehbar ist.

Seit vergangener Woche gibt es eine neue Ausstellung in dem nicht-kommerziellen Kunstraum zu entdecken. Unter dem Titel „Die wirklich wichtigen Dinge“ ist bis Anfang März eine Rauminstallation der Künstlerin Esther Zahel (*1988 in Hanau) zu sehen, die speziell für den Raum geschaffen wurde. Studiert hat die Künstlerin an der Akademie der Künste München, wo sie 2018 als Meisterschülerin von Prof. Gregor Hildebrandt abschloss. In ihren Arbeiten setzt sie sich mit klassischen Themen der Malerei auseinander, etwa mit der Bildfläche und deren Limitierungen. Anfangs arbeitet Zahel mit installativen Hängungen kleinflächigerer Werke. Durch weitere räumliche Experimente mit dem zweidimensionalen Medium Leinwand, entstehen schließlich begehbare Malerei-Installationen. Mitglieder des Kunstclub13 konnten Zahels Arbeit bereits kennenlernen im Rahmen unseres Rundgangs durch die Diplomausstellung 2019 an der Akademie der Bildenden Künste, wo wir ihr Polyptichon „Die Öffnung des Universums in das Haus der vielen Wohnungen“ in der Aula besichtigt haben.

Auch im super+CENTERCOURT sind die Wand- und Bodenflächen lückenlos bedeckt mit perspektivischen Darstellungen abstrahierter Räume und architektonischer Elemente. Die Künstlerin lässt so eine Raumillusion entstehen und setzt dabei auf kräftige Farbflächen. Oft ergänzt Esther Zahel ihre malerischen Räume mit Darstellungen von Mobiliar und anderen Gegenständen und untersucht so auf welche Weise persönliche Objekte Zuhause verkörpern können. „Dabei geht es mir vor allem um die Essenz der Dinge, um ihre individuelle emotionale Wertigkeit und Aufladung.“ In ihrer aktuellen Ausstellung in der Adalbertstraße verzichtet die Künstlerin interessanterweise gänzlich auf Gegenständliches, sondern rückt das Architektonische in den Vordergrund. Der Besucher ist also eingeladen selbst Antworten auf die titelgebende Frage nach den wirklich wichtigen Dingen zu finden, die das eigene Innenleben erfüllen.

Bis zum 08. März 2021 ist die Ausstellung „Die wirklich wichtigen Dinge“ noch zu sehen. Der super+CENTERCOURT in der Adalbertstr. 44 ist durchgängig von außen einsehbar.

Kunstvisite ist ein wöchentliches Format des Kunstclub13 e.V., das in Zusammenarbeit mit Hotspots of Art erscheint.


Text: Hanna Banholzer
Fotocredits: Esther Zahel / Peter Langenhahn

Kunstvisite in Corona-Zeiten #1
2. Februar 2021

Bekannterweise müssen wir pandemiebedingt noch eine Weile auf gemeinsame Events und Kunstführungen verzichten. Um diese Zeit zu überbrücken, hat sich der Kunstclub13 etwas überlegt und möchte Ihnen über den Februar hinweg ein paar Tipps für das private Kunsterlebnis präsentieren. Dafür haben wir Hanna Banholzer von „Hotspots of Art“ eingeladen für uns stellvertretend einige alternative Ausstellungsformate zu besuchen und vorzustellen. Jede Woche lassen wir Ihnen einen neuen corona-konformen Tipp aus Münchens non-profit Kunstszene zukommen. Denn auch im Lock-Down gibt es noch Entdeckungen. Spazieren Sie doch einfach mal vorbei!

Den Anfang macht diese Woche der „No Depression Room“ in der Dachauerstraße 157. Seit Ende November 2020 kuratiert die Kunstpädagogik-Studentin Marlene Meier den temporären Projektraum. Dieser entstand also inmitten des zweiten Lockdowns, sodass das Raumkonzept von Anfang an speziell für ein vorbei flanierendes Publikum gedacht wurde. Die großen Glasfronten der ehemaligen Apotheke eignen sich ideal für Ausstellungen, die ausschließlich von außen einsichtig sind.

Im wöchentlichen Wechsel lädt die Initiatorin junge Nachwuchskünstler*innen aus München und Umgebung ein, hier auszustellen. Neben Studierenden der Kunstakademie sind ebenso Künstler*innen aus den Subkulturen und Autodidakten vertreten, was sich im Ausstellungsprogramm quer durch alle Disziplinen widerspiegelt. Dieser Abwechslungsreichtum sei es, was laut Marlene Meier einen besonderen Reiz für das Publikum ausmache.

In der ersten Februarwoche wird der „No Depression Room“ von den beiden Künstlerinnen Pauline Stumpf und Ida Lutzenberger bespielt, deren Arbeiten beide durch feministische Ansätze gekennzeichnet sind. Pauline Stumpf beschreibt ihre Skulpturen und Zeichnungen als Verhandlung von Zwischenmenschlichkeit, Sexualität und Grenzen: „In meinen Arbeiten setze ich mich mit körperlichen als auch emotionalen Berührungen aus einer weiblichen Perspektive auseinander.“ Ihren filigranen, farblich zurückgenommenen Zeichnungen stehen die flächigen Acrylmalereien in leuchtenden Farben von Ida Lutzenberger gegenüber. In der Schaufenster-Galerie ist unter anderem ihre Serie „Frau Pissnelke“ zu sehen, in welcher sie romantische Vorstellungen von Schönheit in Frage stellt. Das zentrale Motiv: Frauenfiguren, welche ungeniert unter freiem Himmel ihre Blasen entleeren. Humorvoll stilisiert Lutzenberger das Urinieren in freier Natur zum weiblichen Befreiungsakt.

Noch bis Ende dieser Woche (07.02.2021) ist die Ausstellung im „No Depression Room“ in der Dachauerstraße 157 von außen einsehbar. Das Programm der Pop-Up-Galerie läuft voraussichtlich noch bis Ende Februar 2021.

Kunstvisite ist ein wöchentliches Format des Kunstclub13 e.V., das in Zusammenarbeit mit Hotspots of Art erscheint.


Text und Fotocredits: Hanna Banholzer