Schlagwort-Archive: Atelierbesuch

Besuch im Archiv Geiger
6. Oktober 2018

Rupprecht Geiger (1908-2009) gehört zu den bedeutendsten Vertretern gegenstandsloser Malerei in Deutschland. 1949 gründete er in München die Künstlergruppe ZEN 49 mit und befasste sich ab den 1950er Jahren mit dem Thema der Farbe. Viele von uns kennen seine Pigmentarbeiten aus dem Lenbachhaus, deren verführerische Leuchtkraft nur vor dem Original erfahrbar ist.

Nur Wenigen ist aber bekannt, dass das ehemalige Atelier Geigers in Solln seit Ende 2010 der Öffentlichkeit zugänglich ist. An diesem atmosphärisch dichten Ort, an dem Geiger bis 2009 noch fast täglich umgeben von seinen Pigmenten gearbeitet hat, betreut das Archiv Geiger heute das künstlerische Werk und zeigt eine Auswahl an Bildern, aktuell aus den Jahren in Düsseldorf, wo Geiger von 1965 bis 1976 eine Professur innehatte. Diese Jahre markieren seine produktivste Phase und besitzen in Anbetracht seiner Werkentwicklung einen hohen Stellenwert innerhalb seines Werkes.

Im Rahmen einer exklusiven Führung für den Kunstclub13 wird uns Sandra Westermeyer vom Team des Archivs aufschlussreiche Einblicke in das Schaffen und die ungewöhnlichen Arbeitsprozesse Rupprecht Geigers geben.

Weitere Infos (Archiv Geiger Homepage)

Besuch im Atelier von Tim Bennett
14. Dezember 2016
Tim Bennett

Geboren 1973 in Rochdale, Großbritannien, lebt und arbeitet Tim Bennett seit über 15 Jahren in München. Nach dem Studium der Malerei und Bildhauerei bei Ben Willikens und Hermann Pitz an der Akademie der Bildenden Künste München und diversen Stipendien im In- und Ausland bis 2005, kehrte er für drei Jahre in sein Heimatland zurück, um einen Master of Fine Arts am renommierten Goldsmiths College in London zu absolvieren. Seit 2013 wird er von der Galerie Jo van de Loo vertreten.

Schon in den frühen Arbeiten Bennetts spielt das Verhältnis von spontaner künstlerischer Geste und oft langwierigen und akribischen Arbeitsprozessen, die eben aus jener hervorgehen, eine entscheidende Rolle. Dabei bedient sich der Bildhauer aus einer großen Palette von handelsüblichen Baustoffen und Materialien, die er gerade durch Verfahren der Veredelung und Neukontextualisierung in völlig neue Bedeutungsräume versetzt. Zentrale Materialien sind von jeher Gipskarton, Gips, Marmor, Zement, Holz, Furnier, aber auch Bronze oder Bierdeckel.
In den neuesten Wandarbeiten, die gerade bei seinem Galeristen Jo van de Loo zu sehen waren, wird Gipskarton mit Raufaser tapeziert, um dann als farbiger (Bild-)Träger für den eingegossenen Gips zu dienen, der wiederum den „Schutt“ des Ateliers mit einschließt und zu einem Teil der scheinbar zufällig entstandenen Form macht.

In einer zweiten Werkreihe widmet sich Tim Bennett einem weiteren „Baustoff“, aber vor allem Material der klassischen Bildhauerei, dem Marmor. Polierte Carrara-Marmor-Blöcke werden grob von Hammer und Meißel des Künstlers bearbeitet ohne ihre Funktion des Sockels zu verlieren. Dabei werden sie selbst zur Skulptur. Der abgeschlagene Marmorbruch wird anschließend als Plastik aufwendig „aufgepfropft“ und gegebenenfalls mit Ölfarbe bemalt. Denn auch hier gilt wieder: Auf eine schnelle Geste des Künstlers folgt ein verhältnismäßig langer Prozess der Ausarbeitung und Veredelung – ganz im Sinne Bennets: Time is a Waste.

Anschließend fanden sich die Teilnehmer zum geselligen Abendessen im Wirtshaus „Hohenwart“ ein.