Kunstvisite in Corona-Zeiten #1

Bekannterweise müssen wir pandemiebedingt noch eine Weile auf gemeinsame Events und Kunstführungen verzichten. Um diese Zeit zu überbrücken, hat sich der Kunstclub13 etwas überlegt und möchte Ihnen über den Februar hinweg ein paar Tipps für das private Kunsterlebnis präsentieren. Dafür haben wir Hanna Banholzer von „Hotspots of Art“ eingeladen für uns stellvertretend einige alternative Ausstellungsformate zu besuchen und vorzustellen. Jede Woche lassen wir Ihnen einen neuen corona-konformen Tipp aus Münchens non-profit Kunstszene zukommen. Denn auch im Lock-Down gibt es noch Entdeckungen. Spazieren Sie doch einfach mal vorbei!

Den Anfang macht diese Woche der „No Depression Room“ in der Dachauerstraße 157. Seit Ende November 2020 kuratiert die Kunstpädagogik-Studentin Marlene Meier den temporären Projektraum. Dieser entstand also inmitten des zweiten Lockdowns, sodass das Raumkonzept von Anfang an speziell für ein vorbei flanierendes Publikum gedacht wurde. Die großen Glasfronten der ehemaligen Apotheke eignen sich ideal für Ausstellungen, die ausschließlich von außen einsichtig sind.

Im wöchentlichen Wechsel lädt die Initiatorin junge Nachwuchskünstler*innen aus München und Umgebung ein, hier auszustellen. Neben Studierenden der Kunstakademie sind ebenso Künstler*innen aus den Subkulturen und Autodidakten vertreten, was sich im Ausstellungsprogramm quer durch alle Disziplinen widerspiegelt. Dieser Abwechslungsreichtum sei es, was laut Marlene Meier einen besonderen Reiz für das Publikum ausmache.

In der ersten Februarwoche wird der „No Depression Room“ von den beiden Künstlerinnen Pauline Stumpf und Ida Lutzenberger bespielt, deren Arbeiten beide durch feministische Ansätze gekennzeichnet sind. Pauline Stumpf beschreibt ihre Skulpturen und Zeichnungen als Verhandlung von Zwischenmenschlichkeit, Sexualität und Grenzen: „In meinen Arbeiten setze ich mich mit körperlichen als auch emotionalen Berührungen aus einer weiblichen Perspektive auseinander.“ Ihren filigranen, farblich zurückgenommenen Zeichnungen stehen die flächigen Acrylmalereien in leuchtenden Farben von Ida Lutzenberger gegenüber. In der Schaufenster-Galerie ist unter anderem ihre Serie „Frau Pissnelke“ zu sehen, in welcher sie romantische Vorstellungen von Schönheit in Frage stellt. Das zentrale Motiv: Frauenfiguren, welche ungeniert unter freiem Himmel ihre Blasen entleeren. Humorvoll stilisiert Lutzenberger das Urinieren in freier Natur zum weiblichen Befreiungsakt.

Noch bis Ende dieser Woche (07.02.2021) ist die Ausstellung im „No Depression Room“ in der Dachauerstraße 157 von außen einsehbar. Das Programm der Pop-Up-Galerie läuft voraussichtlich noch bis Ende Februar 2021.

Kunstvisite ist ein wöchentliches Format des Kunstclub13 e.V., das in Zusammenarbeit mit Hotspots of Art erscheint.


Text und Fotocredits: Hanna Banholzer