Kunstvisite #3

Die dieswöchige Kunstvisite lässt sich ideal mit einem Spaziergang durch den Hofgarten verbinden. Der dort beheimate Kunstverein München bespielt seit 2014 eines seiner Schaufenster als Ausstellungsfläche im halböffentlichen Raum. Mit Gloria Hasnay als Kuratorin wurde 2019 hier der Schwerpunkt auf die Präsentation von filmischen Arbeiten gelegt. Es entstand ein vom Ausstellungsprogramm unabhängiges Format. Um die größtmögliche Zugänglichkeit zu gewährleisten, wurde das Videoprogramm sowohl für den physischen als auch den digitalen Raum konzipiert und kann somit orts- und zeitunabhängig auf der Webseite rezipiert werden. „Unsere Institution ist ein diskursiver Raum, auch außerhalb der Ausstellungsmauern“ so die Kuratorin Hasnay.

Dass Zugänglichkeit ein zentrales Thema des Kunstvereins ist, spiegelt sich in seiner inhaltlichen und programmatischen Ausrichtung wider. So auch in der aktuell im Schaufenster zu sehenden Arbeit „A Recipe for Disaster“ von Carolyn Lazard (*1987 in Kalifornien/US). Ausgangspunkt sind Ausschnitte aus der US-Kochsendung „The French Chef“ von Julia Child – eine Show, welche in den 1970er Jahren die French Cuisine massentauglich machte und hier Zugang erleichterte. Um auch gehörlose und schwerhörige Zuschauer*innen zu erreichen, kamen damals erstmals Untertitel zum Einsatz. Das Amerikanische Publikum allerdings reagierte mit starker Kritik und Ablehnung auf die eingeblendete Textebene. In der Videoarbeit von 2018 stellt Lazard dem eine Weiterführung und Überzeichnung von medialer Barrierefreiheit entgegen. Zunächst werden die Videoausschnitte um eine deskriptive Audiospur für sehbehinderte Personen ergänzt. Es folgt ein zusätzlicher manifestartiger Text, welcher als weitere visuelle sowie akustische Schicht die Bild- und Tonaufnahmen überlagert. Der Fokus wird so auf Fragen nach Barrierefreiheit und Zugänglichkeit für körperlich beeinträchtigte Menschen gelenkt. Carolyn Lazard lebt selbst mit einer chronischen Immunkrankheit und setzt sich künstlerisch für Inklusion ein. Für Kuratorin Hasnay gelingt es Lazard in „A Recipe for Disaster“ gesellschaftliche Dysfunktionalitäten ohne erhobenen Zeigefinger aufzuzeigen und gleichzeitig gewisse humoristische Elemente einzuflechten.

[Julia Child holds a pan over a stove in a rustic pink and beige kitchen. She is a white woman with short curly brown hair. She wears an orange button down shirt with a black apron. On the counter is a bowl of eggs and a glass container of whisked eggs. Behind her is a wall of kitchen utensils. Behind her is also a doorway leading into a courtyard with plants. On top of this image, aligned to the center of the frame is a block of yellow, san serif text. It reads, “WHAT YOU HEAR, IS WHAT YOU GET./AND WHAT YOU GET, IS WHAT YOU HEAR./A REDUNDANCY FOR SOME./A CLARITY FOR OTHERS./A MEDIA OF MEDIAS./A NEW MATERIALISM./A WAY OF MAKING AND CONSUMING/THAT REFUSES TRANSLATION./THAT WE CANNOT IMAGINE,/BECAUSE WE HAVE NOT CREATED/THE CONDITIONS FOR ITS PRODUCTION./THE POSSIBILITY OF AN INTEGRATED AUDIENCE./LISTEN, I’M TRYING TO STAY SOMETHING./LOOK, I'M TRYING TO DO SOMETHING./WE ARE MAKING AN OMELET.” Layered on top of this text is a white subtitle at the bottom of the frame that reads, “Another way, which is a good way, is what I call a scrambled omelet.”]

Noch bis zum 07. März ist das 27-minütige Video im Schaufenster im Hofgarten einsehbar sowie online auf der Homepage des Kunstvereins zu finden.

Kunstvisite ist ein wöchentliches Format des Kunstclub13 e.V., das in Zusammenarbeit mit Hotspots of Art erscheint.


Fotocredits: (1) Hanna Banholzer. (2) Carolyn Lazard, A Recipe for Disaster, 2018, Installationsansicht, Schaufenster, Kunstverein München, 2021. Courtesy die Künstler*inne, ESSEX STREET, New York und Kunstverein München e.V.; Foto: Sebastian Kissel. (3) Video still: Carolyn Lazard, A Recipe for Disaster, 2018. Courtesy die Künstler*innen and ESSEX STREET, New York. [Julia Child holds a pan over a stove in a rustic pink and beige kitchen. She is a white woman with short curly brown hair. She wears an orange button down shirt with a black apron. On the counter is a bowl of eggs and a glass container of whisked eggs. Behind her is a wall of kitchen utensils. Behind her is also a doorway leading into a courtyard with plants. On top of this image, aligned to the center of the frame is a block of yellow, san serif text. It reads, “WHAT YOU HEAR, IS WHAT YOU GET./AND WHAT YOU GET, IS WHAT YOU HEAR./A REDUNDANCY FOR SOME./A CLARITY FOR OTHERS./A MEDIA OF MEDIAS./A NEW MATERIALISM./A WAY OF MAKING AND CONSUMING/THAT REFUSES TRANSLATION./THAT WE CANNOT IMAGINE,/BECAUSE WE HAVE NOT CREATED/THE CONDITIONS FOR ITS PRODUCTION./THE POSSIBILITY OF AN INTEGRATED AUDIENCE./LISTEN, I’M TRYING TO STAY SOMETHING./LOOK, I’M TRYING TO DO SOMETHING./WE ARE MAKING AN OMELET.” Layered on top of this text is a white subtitle at the bottom of the frame that reads, “Another way, which is a good way, is what I call a scrambled omelet.”]