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Kunstvisite #5: Um den Block mit Christian Ganzenberg

Kurz vor den Osterferien führt die Kunstvisite uns zum Luitboldblock. Mit Blick auf die Geschichte stellt man schnell fest: Dieser Ort hat eine starke historische Verbindung zu Kunst, Design und Architektur. Nicht nur das Hauptbauwerk selbst ist eine Besonderheit, auch entstand Ende des 19. Jahrhunderts hier mit dem Café Luitpold ein Ort des Austausches für Künstler*innen und Kreative. Heute ist der Block zwischen Brienner- und Jungfernsturmstraße geprägt von Fachgeschäften, Gastronomie und wird ergänzt durch ein buntgemischtes Kulturprogramm verschiedener ansässiger Akteure.

Ich bin an diesem Morgen mit dem Kurator Christian Ganzenberg verabredet, welcher hier ein Kooperationsprojekt zwischen Geschäftsinhaber*innen und jungen Münchner Künstler*innen auf die Beine gestellt hat. Schon länger hatte er in Zusammenarbeit mit Alina Eisner und Karsten Schmitz von der Stiftung Federkiel ein Projekt angedacht, bei welchem die Schaufenster des Luitpoldblocks bespielt werden, doch durchkreuzte Corona die Pläne. Seit Anfang März findet nun in abgewandelter Form das Format around the block statt. Elf junge Künstler*innen folgten der Einladung sich einen passenden Partner im Karree zu suchen, um in dessen Schaufenstern auszustellen. Das besondere hierbei: Die Arbeiten sind ortspezifisch kuratiert und gehen auf vorherrschende Raumsituationen und Ästhetiken ein, ebenso wie auf die jeweilige Produktpalette oder Werbeversprechen der Geschäfte – die Kunst liegt neben dem Konsumprodukt. Doch verkommen die Werke so nicht zu reinem dekorativen Beiwerk? Nein, erwidert Christian Ganzenberg. Natürlich sei es ein Aushandeln gewesen, wie viel Platz jeweils Produkt und Kunst in den einzelnen Schaufenstern und Vitrinen einnehmen. Doch hätten sich sowohl die Geschäftsinhaber*innen, als auch die Künstler*innen gerne und ohne große Vorbehalte auf das gemeinsame Experiment around the block eingelassen. Dabei freuen sich vor allem die Jungkünstler*innen über die Möglichkeit, ihre Arbeiten bei fortwährendem Lockdown innerstädtisch und mit finanzieller Honorierung ausstellen zu können.

Wir schlendern durch die Passagen und bleiben vor einem Schaufenster stehen, in welchem eine großformatige textile Arbeit präsentiert ist. Stefan Fuchs, welcher 2019 unseren PERSPEKTIVEN Förderpreis für junge Kunst gewann, greift hier mit „Two flower children, still high on each other“ hippieeske Ästhetiken auf. Doch konterkariert er die mit den 1968er verbundenen Assoziationen von Freiheit und Rausch mit Elementen, die eher von Kraftlosigkeit und Nüchternheit zeugen. Weitere künstlerische Interventionen in das Ladeninnere sind von Fuchs für die kommenden Wochen geplant.

Stefan Fuchs: „Two flower children, still high on each other“

Humorvoll und düster erzählt die Videoarbeit „Bloodless Boutique“ von einer Kundin, welche sich der Psyche ihrer Luxushandtasche nähert. Über die lederne Oberfläche nimmt die Verkäuferin Kontakt zu dem Tier auf, aus dessen Haut diese Ware hergestellt wurde. Paulina Nolte und Anna McCarthy, welche 2014 als Förderpreisträgerin des Kunstclub13 prämiert wurde, präsentieren ihre gemeinsame Videoarbeit in einer Außenvitrine am Luitpoldblock. Die Arbeit, die unser westliches Konsumverhalten kritisch in den Blick nimmt, wird dort mit Augenzwinkern neben Handtaschen einer ansässigen Boutique gezeigt.

Paulina Nolte und Anna McCarthy: „Bloodless Boutique“

​Ein weiterer PERSPEKTIVEN-Preisträger begegnet uns, als wir am Platz der Opfer des Nationalsozialismus abbiegen, wo das ewige Feuer lodert. Jeden Abend um 19 Uhr gibt es hier in den Schaufenstern eines Lichtdesigners die Soundinstallation „Petrified Visions in the Circular Air“ von Kalas Liebfried zu hören. Darin greift er die Songzeile „There is a light that never goes out…“ aus dem gleichnamigen Song der Indie-Rockband The Smiths auf und verleiht seiner audio-skulpturale Arbeit so durch den räumlichen Kontext eine starke politischen Komponente.

Kalas Liebfried: „Petrified Visions in the Circular Air“

Bis Ende April können Sie diese und weitere Arbeiten bei einem Spaziergang im Luitpold-Karree besichtigen. Mit Hilfe von QR-Codes an den Vitrinen, lassen sich vor Ort mit Smartphone ganz einfach weitere Infos zu den jeweiligen Werken und Künstler*innen abrufen. Zudem, erzählt Christian Ganzenberg zum Abschied, sei er hoffnungsvoll, dass man zu einer öffentlichen Finissage einladen könne. Auch dürfen wir auf eine mögliche Fortsetzung des Projekts in einem anderen Quartier gespannt sein.​

Kunstvisite ist ein Format des Kunstclub13 e.V., das in Zusammenarbeit mit Hotspots of Art erscheint.


Text: Hanna Banholzer
Fotocredits: Constantin Mirbach

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